
Für Geld geh’ ich gerne in den Dschungel – Dschungelcamp-Report (Tag 1)
16. Januar 2011Am Freitag Abend war es endlich wieder soweit: RTL schaltete live nach Australien in den Fernseh-tauglich zerbauten Dschungel und startete Quoten-stark in die fünfte Staffel von “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!”. Auch wenn das Teilnehmerfeld diesmal auf ganzer Linie enttäuscht – das Moderatorenpaar weiß überraschenderweise zu begeistern. Was sonst so in der Pseudo-Wildnis passiert, könnt ihr regelmässig hier beim Besserwixer lesen.
Tag 1: Ich bin kein Star – aber für Geld geh’ ich gerne in den Dschungel!

Die versammelte Mannnschaft samt Moderationspaar. Das gelbe Ding im Vordergrund ist übrigens Dirk Bach | © Clipfish.de
Stilecht pseudo-cool werden zum Beginn der Sendung alle Kandidaten vorgestellt. Das ist in dieser Staffel auch mehr als jemals zuvor nötig, denn sicherlich gibt es nur wenige Hausfrauen, die wirklich alle Kandidaten kennen. Den Anfang macht das ehemalige Pop-Sternchen Indira, die scheinbar ihren Nachnamen abgelegt hat. Ob das nun aus Angst ihren Familientitel bei dieser Sendung noch mehr zu beschmutzen passierte, oder ob ihr der Nachname beim Playboy-Shooting in irgendeiner Körperöffnung stecken blieb, bleibt unbeantwortet. Zwei Gegenstände darf jeder Teilnehmer mit ins Dschungelcamp nehmen. Indira hat mitgedacht und leistet sich neben einem Campingstuhl auch noch ein Seil. Das dürfte im Laufe der Staffel noch sehr praktisch werden, wenn man bspw. Sarah Kappnik fesseln und auf einem Stuhl von irgendeiner Klippe schmeissen möchte. Diese taucht im übrigen als Nächste beim gespielt-harmonischen “Erstaufeinandertreffen” der “Stars” im Hotel auf. Solltet ihr euch fragen, wer Sarah Kappnik eigentlich ist: Keine Ahnung! Sie ist jung, blond und scheinbar nicht die Hellste – drei Voraussetzungen um eine große Samstag-Abend-Show bei Sat1 zu bekommen oder wie Indira so schön aus dem Off formuliert “Sarah hat ‘ne Assi-Art”. Eben diese besondere Eigenschaft half ihr sicherlich, sich beim RTL-Praktikanten in die Sendung zu bumsen reden..
Kandidat Nummer 3 macht einen auf Gigolo für Heintje-Anhänger und nennt sich Mathieu Carrière. Der ist auch so wahnsinnig bekannt, dass ich bei Wikipedia nachschauen musste und nun weiß, dass meine Mutter ihn als Schauspieler kennen müsste – vorausgesetzt sie hat in den letzten 50 Jahren überwiegend schlechte Filme geschaut. Carrière bezeichnet sich selbst im Einspieler als “intellektuelles Arschloch”, wobei wir die Intellektualität jetzt natürlich mal im Raum stehen lassen. Ob sich sein Babyshampoo und die mitgebrachte Stoffschlange mit dem Stoffpudel und dem Chifon-Tuch von “Jacob Sister”-Oma Eva vertragen werden, ist nicht relevant – suchte ich doch nur eine Überleitung zur Schlagerwuchtbrumme, die nun das Feld betritt. Mit Sätzen wie ““Ich bin kein Star, ich bin eine Amsel – ich flieg dann rein in das Geschlamsel” dürfte sich die senile Volksmutantin spontan ins Herz aller grenzdebilen Zuschauer schunkeln (und das dürften bei einem Sender wie RTL nicht gerade wenige sein – immerhin schaue ich zu! ;-).
Nach einem Bildausfall wird plötzlich ein Mann eingeblendet, der mir bisher gänzlich unbekannt war, wohl aber Thomas Rupprath heißt, auf feuchtes Toilettenpapier steht und im Laufe der Sendung jedes Mal ein “Wer bist du und was machst du hier?”-Feeling aufkommen lässt. Bekannt hingegen ist “Walther” aus der Knast-Serie “Hinter Gittern”, den RTL uns hier als Frau namens “Katy Karrenbauer” verkauft. Dieser nimmt einen Talismann und einen Pareo mit ins Camp. Laut meiner Perle ist ein Pareo übrigens ein Tuch, was man sich um die Beine bindet, damit man den Arsch nicht sieht … oder umgekehrt, keine Ahnung, ich habe es bereits wieder vergessen. Teilzeit-Moderator und -Schauspieler Peer Kusmagk ist als nächster an der Reihe, der mit Zylinder und Stoffaffe im Dschungel womöglich eine neue Karriere als Alleinunterhalten starten möchte – oder vielleicht doch eher andere Pläne hat, denn – ich zitiere – er “kann gut in Gruppen leben”, “liebt Menschen” und hofft “das wir uns gegenseitig befruchten”. Allen anderen Teilnehmer sei an dieser Stelle schon empfohlen, niemals zu schlafen wenn Peer in der Nähe ist…
Die Runde vervollständigen schließlich der erfolglose TV-Hochzeitsplaner Frank Matthée (samt Quietcheentchen, Schlafbrille und neuem tuckigen Vornamen “Froonck”), Ex-Boyband-Nobody Jay Kahn (mit Kopfkissen & Bartstutzer ins Camp, ist Single, redet über Sex und macht bestimmt Liebe mit einer Palme), die alternde Nackt-Uschi Gitta Sax (nimmt Gesichtsöl, Schlafbrille und laut alten Aktfotos einen großen Busch zur Tarnung mit ins Camp) und Alt-Hippie Rainer Langhans, der nicht nur Blumen frisst sondern auch sch… mit ihnen redet.
Bevor das falsche Grün betreten wird, kommt es noch zu Dokusoap-Einlagen im Stil von “Mitten im Leben”, wie z.B. die Klamottenanprobe (Eva Jacob im Rentner-Porno des Jahres: “Ich bin eine Mietzekatze. Tante Muschi ist auch schon drin”), dem frühen Wecken am nächsten Morgen durch einen falschen Ranger (bzw. Rangerin), Frühstück, pseudoemotionalen Abschiedsmomenten, gnadenloser Selbstprofilierung von Mathieu Carrière, Durchsuchung der Kandidaten auf geschmuggelte Gegenstände, dem Hubschrauberflug in den vermeintlichen Dschungel (inkl. passender In-Bild-Werbeeinblendung von German Wings mit Billigflügen ab 9,99 Euro, die sich sogar die abgebrannten Anti-Promis im Camp leisten könnten) und schließlich – nach 37 Minuten – um 22:52 Uhr der ersten Werbepause der Sendung. In diesem Jahr scheint das Dschungelcamp ein reines Prestigeprojekt von RTL zu sein, nachdem die Show ja merkwürdigerweise weiterhin für Werbekunden nicht von Interesse zu sein scheint.
Die obligatorische Campsuche steht danach auf dem Plan. Unterteilt in zwei Teams gehen die “Stars” durch den “Dschungel” auf der Suche nach dem “Camp”. Rainer Langhans fühlt sich wie auf einem Trip und gibt neidlos zu, eine solche tropische Vegetation gar nicht zu kennen - und das sagt jemand, der die tropische Vegetation von so manchem 68’er Busch erkundet hat. Froonck der Hochzeitsplaner findet den Weg etwas “slippery” und rutschig, was ihn später allerdings nicht davon abhält, sich schleimig und “in charge” zum ersten Teamleiter wählen zu lassen.
Indira und Matthieu legen indes die erste Dschungelprüfung ab und lassen sich verschiedene Insekten in den Mund stecken. Alles schon mal da gewesen, immer wieder ekelig – quasi als würde man versehentlich eine Sendung mit Tine Wittler schauen. Kultverdächtig die Absprache zwischen den beiden Dschungelzahnarzt-Patienten.
Matthieu: “Wenn ich irgendeinen Schleim nicht will..”
Indira: “Dann schluck ich ihn!”
Richtig so, liebe Indira – das hat man Dir damals bei der Popstars-Schulung im “Wie komme ich auch ohne Talent möglichst weit nach oben”- Seminar gut beigebracht. Auch dein Motto “Ich mach die Augen nicht auf, einfach rein!” kann man getrost als Ratschlag in vielen kriselnden Beziehungen dem weiblichen Partner ans Herz legen. Am Ende gibt’s 10 von 11 Sternen, Abdruck und Spülung inklusive und somit ein reichhaltiges Abendessen in Form eines ganzen Hühnchens am Stück für die Camper. Rainer bekommt sowieso die Veganer-Sonderwurst und Sarah Kappnik zickt rum, weil sie Tiere lieb findet. Jedem eben seine Extrabrühe und Indira schluckt sowieso alles :-)
Die Zuschauer wählten für die kommenden Prüfung am nächsten Tag den Guru Langhans in den “Friedhof der Kuscheltiere”, der sich zum Off bereits über Tierquälerei den Kopf zerbricht. Also alles irgendwie wie immer nur mit “Promis”, die den Titel diesmal wirklich nicht verdient haben und auch nicht annähernd so unterhaltsam sind wie ihre Vorgänger. Man darf gespannt sein, wie sich diese Staffel die nächsten Tage entwickeln wird. Die Quoten sprechen jedenfalls wieder Bände: Wenn sich jemand öffentlich zum Affen macht, schaut die Nation eben zu: Das ist seit dem Musikantenstadl und Karl Moik seit Jahren und Jahrzehnten das Gleiche.
Frankster

[...] doch eher rar sind. Worin unterscheidet sich also ein Trainingslager der Triathleten vom Dschungelcamp auf einem der zahlreichen Privatsender, welches zwar nun schon vorbei, aber dennoch in aller Munde ist? Die Teilnehmer erhielten dort [...]